The Incredible World of Photography. Fotosammlung Ruth und Peter Herzog

Intro

The Incredible World of Photography Sammlung Ruth und Peter Herzog 18.07. - 04.10.2020

Ein Sommertag auf Coney Island – privates Urlaubsfoto oder kalkulierte Ästhetik? Was uns zunächst wie ein Schnappschuss vorkommt, wirkt bei genauerem Hinsehen wie eine gestellte Szene.

Wir wissen sehr wenig über die Aufnahme: Wer sind die Menschen auf dem Bild und was sucht ihr Blick in der Ferne? Die Antworten auf diese Fragen lassen sich nur erahnen. Auch wer der Fotograf ist, wissen wir nicht.

Unbekannt, Badende (Coney Island), 1950-1960. Handkolorierter Silbergelatineabzug, 17.7 x 12.6 cm © als Sammlung by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved.

Die Aufnahme von Coney Island wurde nachträglich koloriert. In ihrer Farbigkeit erinnert sie an die Kunst Andy Warhols. Der amerikanische Künstler verwendete Fotografien als Vorlage für seine Siebdrucke. Durch die ungewöhnliche Farbgebung verfremdete er das Foto des chinesischen Parteivorsitzenden Mao Zedong. Wird der chinesische Diktator damit zu einer Ikone der Pop-Art? Oder wird er durch diese Veränderung der Lächerlichkeit preisgegeben?

Andy Warhol, Mao, 1972. 91.4 x 91.4 cm, Siebdruck, Kunstmuseum Basel © Pro Litteris.

Die Ende der 1950er Jahre aufkommende Pop-Art bedient sich Bilder des täglichen Lebens, um sie radikal zu verwandeln. Die Künstler verwenden Bilder von Lebensmitteln, Getränken, Zigaretten, Autos und anderen Massenprodukten. Auch Bildmaterial aus Werbung, Presse und Film wird verarbeitet.

Die Künstler verfremden die Bilder, indem sie andere Materialien oder knallige Farben wählen oder serielle Wiederholungen produzieren. Die Werke der Pop-Art sind ironische Kommentare auf die Konsumgesellschaft der Nachkriegszeit. Andy Warhol gehört zu den berühmtesten Vertretern dieser Bewegung.

Der Künstler erschafft die Wirklichkeit, der Fotograf sieht sie.

Karl Pawek, 1963 Karl Pawek: Das optische Zeitalter, Walter-Verlag, 1963, S. 58.

Während das Foto von Coney Island zur Sammlung von Ruth und Peter Herzog gehört, befindet sich das Werk Warhols im Kunstmuseum Basel. In der Ausstellung The Incredible World of Photography treffen die Bilder aufeinander. Im Dialog der beiden Sammlungen eröffnen sich neue Perspektiven auf die ebenso spannungsgeladene wie fruchtbare Auseinandersetzung zwischen bildender Kunst und Fotografie.

Die Fotosammlung

Die Fotosammlung

Foto: Unbekannt, Mädchen mit einer Kodak Brownie-Kamera, 1901. Silbergelatineabzug, 11 x 8 cm © als Sammlung by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved.

Seit mehr als 45 Jahren sammeln Ruth und Peter Herzog Fotografien. Die Spannbreite der Fotosammlung reicht von den Anfängen des Mediums in den 1840er-Jahren bis zum Beginn seiner Digitalisierung in den 1970er Jahren. Seit fünf Jahren ist diese Fotosammlung Bestandteil des Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinetts in Basel und wird dort wissenschaftlich erfasst und digitalisiert. Ein Mammutprojekt für einen Bestand von mehr als 500 000 Fotografien. Dabei hat alles mit einem Zufall angefangen.

Unbekannt, Spinnerinnen, um 1900. Silbergelatine, 21.9 x 33 cm © Sammlung Ruth + Peter Herzog, Basel.

Ein kleiner Fund mit grossen Folgen. Auf einem Flohmarkt in Zürich entdecken Ruth und Peter Herzog 1974 diese anonyme Aufnahme: Eine Gruppe von Spinnerinnen zu deren Füssen sich ein Spitz niedergelassen hat. Eine ältere Frau in der Mitte haspelt das gesponnene Garn auf. Die Szene erinnerte Peter Herzog an seine eigene Familiengeschichte. Entscheidend für die beiden war jedoch die Erkenntnis über das Potenzial der Fotografie, die sowohl Kunst als auch Dokument sein kann.

Die Sammlung als Wunderkammer

Die Sammellust der Herzogs scheint keine Grenzen zu kennen. Heute ist die Fotosammlung Ruth und Peter Herzog eine der weltweit grössten Sammlungen von Fotografien, die von Privatpersonen angelegt worden ist.

Mit dem Kauf der Fotografie von Frauen am Spinnrad war die Sammelleidenschaft der Herzogs geweckt. Die Auswahl der Fotos und ihre Zusammenstellung unterlagen von Anfang an subjektiven Kriterien. Auf diese Weise ist im Lauf der Jahre eine Sammlung entstanden, deren Strukturprinzip im scheinbar chaotischen Neben- und Miteinander sehr unterschiedlicher Bilder besteht. Diese gewollte Unordnung, die die Welt im Kleinen widerspiegeln soll, verbindet die Fotosammlung mit den Wunderkammern der frühen Neuzeit.

Die Wunderkammer

Die Wunderkammer gilt als einer der Vorläufer des heutigen Museums. Sie entstand im 14. Jahrhundert, als Fürsten und reiche Bürger anfingen, Raritäten und Kuriositäten aus aller Welt zu sammeln. In den Kunst- und Wunderkammern wurden Haifischzähne nicht von Münzen und astronomische Geräte nicht von Kunstwerken getrennt. Alles wurde gleichberechtigt nebeneinander präsentiert.

Durch die Vielfalt der Objekte wollte man das Wissen der damaligen Zeit zu einer Einheit verschmelzen und das Universum im Kleinen abbilden. Durch die vergleichende Betrachtung der Dinge versuchte man, Erkenntnis zu gewinnen. Auch wenn die Fotosammlung Ruth und Peter Herzog keine Wunderkammer im klassischen Sinne ist, lassen sich viele Parallelen ziehen.

Das Museum Wormianum des Ole Worm, 1655.. Kupferstich.

Die Fotosammlung sollte alle Lebensbereiche des modernen Menschen erfassen. Aus diesem Grund haben sich Ruth und Peter Herzog dagegen entschieden, ihre Fotosammlung chronologisch oder gar nach Fotografen anzulegen. Stattdessen wurden die Bilder in Kategorien wie Porträt, Freizeit oder Geschichte zusammengefasst.

  • Porträt

    Unbekannt, Blinde Frau mit Punktschriftmaschine, 1845-1855. Daguerreotypie, 9.2 x 8.2 x 1.8 cm © als Sammlung by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved.

    Die Frau blickt nur scheinbar in den Apparat. Die Sonnengläser und die Punktschriftmaschine verraten, dass die Blinde ihr eigenes Porträt niemals sehen wird. Daguerreotypien – die erste Form der Fotografie – waren Erinnerungsstücke. Sie waren beliebt und standen im Ruf, die Porträtmalerei zu verdrängen.

  • Familie

    Martin Hesse, Frau mit Kind, 1940-1950. Silbergelatineabzug, 17.9 x 12.9 cm © Martin Hesse Erben / © als Sammlung by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved.

    Ob Geburten, Kinderjahre, Reisen, Hochzeiten, Alter und Tod: So individuell die Fotografierten uns entgegentreten, so sehr wird in der Masse sichtbar, wie standardisiert viele Situationen sind. Ein Bild wie dieses – mit einem weinenden Kind – sieht man sonst kaum.

  • Technik

    Unbekannt, Röntgenaufnahme einer Hand, 1896. Silbergelatineabzug, 24 x 18 cm © als Sammlung by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved.

    1895 veröffentlichte Wilhelm Röntgen die erste Fotografie, deren Technik nach ihm benannt werden sollte. Was war so faszinierend an dem Prozess? Diese Fotografie legt das Skelett eines lebenden Menschen offen, ohne das Skalpell zu benutzen.

  • Wissenschaft

    Alphonse Bertillon, Bertillonage von Alphonse Bertillon, 1912. Albuminabzug, 14.7 x 14.6 cm © als Sammlung by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved.

    Alphonse Bertillon entwickelte 1880 ein System zur Identifizierung von Verbrechern. Man katalogisierte Personen, indem man elf Körpermerkmale erfasste. Die Methode der Aufnahme en face und en profil hat sich bis heute erhalten. Ebenso wie die Idee, jedes Gesicht eindeutig identifizieren zu können.

  • Geschichte

    Graphopresse, Brüssel: Einlagerung von Gemälden von Lucas Cranach und Robert Camping während des Zweiten Weltkriegs, 1939-1945. Silbergelatineabzug, 12.9 x 17.9 cm © als Sammlung by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved.

    Das Versprechen der Fotografie, etwas so zu zeigen, wie es ist, machte sie zu einem bevorzugten Medium, um wichtige Ereignisse zu dokumentieren. Auf diesem Bild sehen wir, wie Mitarbeitende des Museums Gemälde inspizieren, die während des 2. Weltkrieges eingelagert werden mussten.

  • Industrie

    Unbekannt, Waschkaue eines Bergwerks, 1920-1930. Silbergelatineabzug, 23.8 x 18 cm © als Sammlung by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved.

    Seit ihren Anfängen befasst sich die Fotografie mit Arbeit und Industrie. Die meisten Bilder zeigen nicht die prekären Lebensverhältnisse vieler Arbeiter, sondern menschenleere Produktionsräume und auf Hochglanz gebrachte Maschinen. Was wollte man mit solchen Aufnahmen zeigen, und wer war das Publikum?

  • Krieg

    Detroit News, Arbeiterin im Auto- und Munitions-Werk Maxwell Motor Co. in Detroit, 1918. Silbergelatineabzug, 25.4 x 20.5 cm © als Sammlung by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved.

    Der Fotoapparat gehörte zur Ausstattung an der Front und revolutionierte durch Luftbildaufnahmen die Kriegsführung. Dieses Propagandafoto zeigt eine sogenannte „Munitionette“, die während des Ersten Weltkrieges in einer  Munitionsfabrik arbeitete.

  • Natur

    Unbekannt, Tomaten- und Kartoffelpflanze, 1906. Cyanotypie-Fotogramme, 25.4 x 30.1 cm (Objekt) © als Sammlung by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved.

    Diese Pflanzenstudien sind Cyanotypien. Dabei handelt es sich um ein frühes Verfahren zur Entwicklung von Fotografien. Aufnahmen von Pflanzen und Tieren waren bei Malern beliebt. Viele Künstler legten Studiensammlungen an, um jederzeit und überall auf Naturmotive zurückgreifen zu können.

  • Reise

    Giacomo Caneva, Engelsburg, Petersdom und der Fluss Tiber in Rom, 1845-1855. Salzpapierabzug, 24 x 33.1 cm © als Sammlung by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved.

    Dieses Bild zeigt die Engelsburg in Rom - ein Motiv, das in der Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts populär war. Als die Fotoapparate Ende des 19. Jahrhunderts kleiner, handlicher und günstiger wurden, wurden sie zum treuen Reisebegleiter.

Ob Freizeit, Politik, Sport oder Pornografie: Kein Motiv, das massenhaft fotografiert wurde, fehlt in der Fotosammlung, die den Anspruch erhebt, „die Vielfalt des menschlichen Lebens im Industriezeitalter darzustellen“, so Peter Herzog. Das macht sie einzigartig. Neben Einzelaufnahmen kauften die Sammler auch Alben, Kisten, Nachlässe anderer Sammler und ganze Archive von Fotografien.

Das Sammeln von Fotografien

Fotografien wurden schon sehr früh in unterschiedlichen Kontexten gesammelt. Naturkundliche, medizinische und wissenschaftliche Sammlungen entstanden. Vor kurzem wurde die Lehrsammlung der Universität der Künste in Berlin aus der Zeit von 1850 bis 1930 in einer Ausstellung vorgestellt. Der Münchner Malerfürst Franz Lenbach liess Fotografien für seine Porträts herstellen. Auch andere Maler, wie der Schweizer Frank Buchser, griffen auf die Fotografie zurück und legten Studiensammlungen an.

Als Kunst wurde die Fotografie bereits im 19. Jahrhundert gesammelt, zum Beispiel von Alfred Lichtwark in seiner Funktion als Direktor der Hamburger Kunsthalle. Mittlerweile hat sie sich fest im internationalen Kunstmarkt etabliert. Das Genre hat seine Stars, die teuer gehandelt werden und auch in der Fotosammlung Ruth und Peter Herzog vertreten sind. Die Herzogs haben aber auch abseits dieser Kategorie gesammelt. So war es ihnen möglich, einen Bestand von über 500.000 Einzelaufnahmen aufzubauen.

Das Leitmotiv der Sammlung ist das Leben des Menschen im Industriezeitalter, und zwar in allen Lebenssituationen. In der Vielfalt der Sammlung können wir dem Wesen der Fotografie und des Menschen auf den Grund gehen.

Peter Herzog, 2016 Oral History mit Peter Herzog, 2016 © Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel .

Eine Sammlung von Sammlungen

In der Fotosammlung befinden sich über 3000 Fotoalben mit Aufnahmen aus aller Welt. Die Mehrheit der Alben setzt sich aus Fotografien aus Europa zusammen. Zahlreiche Alben vermitteln aber auch Blicke auf Afrika, Asien und Amerika.

Für den Markt ist es interessanter, Alben und Konvolute aufzutrennen und die Objekte einzeln zu verkaufen. Gemeinsam ergibt sich aber ein viel umfassenderes Bild, ganz andere Informationen treten zu Tage.

Peter Herzog, 2016 Oral History mit Peter Herzog, 2016 © Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel .

Im 19. Jahrhundert demonstrierte man mit Fotoalben vor allem seine Position in der Gesellschaft. Im 20. Jahrhundert ging es immer mehr darum, Individualität auszudrücken. Dennoch gleichen sich viele Alben in dem, was sie zeigen und auch darin, wie sie etwas darstellen.   

Dieses Album gehört zu einer Serie, die das Leben der Zürcher Mädchen Margrit und Ruth Isele dokumentiert. Sie sind 1915 und 1919 auf die Welt gekommen.

Fotoalbum der Familie Isele, 1899-1923. Verschiedene Techniken, 26 x 20 x 5.5 cm (Album).Fotoalbum der Familie Isele, 1899-1923. Verschiedene Techniken, 26 x 20 x 5.5 cm (Album) © als Sammlung by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved.

Die meisten Aufnahmen sind datiert und beschriftet, immer wieder finden sich auch eingeklebte Postkarten. Das Integrieren von kleinen Souvenirs war damals üblich. Teilweise wurden Familienalben mit aufwändigen, handgemalten Illustrationen verziert.

Jedes Cover der Isele-Alben ist unterschiedlich. Auf den Etiketten ist der Name von jeweils einem der Mädchen sowie eine Nummer vermerkt.

Hund Meierli ist fester Bestandteil der Familie und wird für das Album im Kostüm porträtiert.

Meierlis Nachfolger durfte auch beim Mittagsschlaf ins Bett.

Andere Bilder dokumentieren Ausflüge zum Berner Bärengraben und nach Interlaken.

Blättert man durch die Alben, kann man den Isele-Mädchen beim Aufwachsen zusehen. Fast könnte man meinen, die beiden persönlich zu kennen.

Jedes Cover der Isele-Alben ist unterschiedlich. Auf den Etiketten ist der Name von jeweils einem der Mädchen sowie eine Nummer vermerkt.

Fotoalben sind intime Objekte, die die Geschichte eines Einzelnen oder einer Gruppe erzählen. Sie stecken voller Momentaufnahmen, die auf den ersten Blick einmalig sind. Gleichzeitig erfahren wir aus ihnen etwas über ganze Generationen. Ein Vergleich vieler verschiedener Familienalben zeigt, wie die «Individualität», die Einzigartigkeit des Einzelnen standardisiert wird. Wir sehen, wie sehr sich bestimmte Erfahrungen ähneln und welche Strukturen und Muster unsere eigene Geschichte prägen.

Die Masse an Familienalben sagt etwas über die kollektive Vorstellung von Familie aus. Die Masse an Kriegsbildern führt den Krieg als kollektive Erfahrung des 20. Jahrhunderts vor Augen. Fotos von der Front können direkt nach Hochzeitsfotos und vor Urlaubsfotos im Album kleben.

Heinz Fraede, Kriegszerstörung in Hildesheim nach Luftangriffen, um 1945-1947. Silbergelatineabzug, 24.1 x 17.6 cm © als Sammlung by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved.
Unbekannt (deutsch), Ostfront im Zweiten Weltkrieg, 1941-1942. Silbergelatineabzüge, 25 x 33.5 cm (Seite) © als Sammlung by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved.

Auf Menschen, die Krieg nicht miterlebt haben, können diese privaten Aufnahmen befremdlich wirken. Das Grauen ist hier auf ein handliches, ordentlich beschriftetes Album zusammengeschrumpft. Was bei uns Unbehagen auslöst, war offensichtlich ein erinnerungswürdiger Augenblick, den man fotografieren wollte.

Doch wie ist es heute? Betrachten wir Bilder vergangener Kriege anders als die Kriegsbilder aus Syrien oder der Ukraine? Hat unser Unbehagen hauptsächlich mit dem Dargestellten zu tun? Oder mit der Rolle des Fotografen – dessen Blick wir unweigerlich teilen? Handelt es sich um einen Beobachter oder um einen Akteur?

Hosam Katan, Light from a far, 2014. © Hosam Katan.

Obwohl die Kamera eine Beobachtungsstation ist, ist der Akt des Fotografierens mehr als nur passives Beobachten. (…) Es bedeutet, im Komplott mit allem zu sein, was ein Objekt interessant, fotografierenswert macht, auch (...) mit dem Leid und Unglück eines anderen Menschen.

Susan Sontag, 1977 Susan Sontag: Über Fotografie, Fischer Taschenbuch Verlag, 1999, S. 18.

Kollektives Bildgedächtnis

Mit der Fotografie verändert sich die  Berichterstattung. Historische Ereignisse werden mit der Kamera begleitet und finden seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in der Zeitung ihren Weg in die gute Stube.

Dank Live-Übertragungen und der allgegenwärtigen Präsenz der Bilder in den Medien hatten Millionen von Menschen weltweit den Eindruck, bei der Mondlandung dabei zu sein. Dieses Foto zeigt den Astronauten Buzz Aldrin. Weil er der zweite Mensch auf dem Mond war, erlangte er nie den gleichen Ruhm wie sein Kollege Neil Armstrong, der hier die Kamera hält. Wir sehen dessen Spiegelung in Aldrins Helm.

Neil Armstrong, Buzz Aldrin auf dem Mond, 1969. C-Print, 30 x 23.9 cm, Courtesy NASA, JPL-Caltech © als Sammlung by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved.

Die Mondlandung war von Anfang an als Medienereignis geplant. Die massenhafte Zirkulation von spektakulären Bildern war Teil der Mission, den ersten Menschen auf den Mond zu bringen.Einige der Fotografien, darunter die von Aldrin, sind zu Ikonen geworden und haben Eingang in unser kollektives Bildgedächtnis gefunden.

Die Sonne wird auf diese Weise zum Geschichtsschreiber der Zukunft werden, durch die Genauigkeit ihres Stiftes ebenso wie durch die Präzision ihrer Aufzeichnung die Wahrheit selbst festhalten; dann wird die Geschichte aufhören, fabelhaft zu erscheinen.

David Brewster, 1856 Zitiert nach: Bernd Stiegler, Bilder der Photographie. Ein Album photographischer Metaphern, Edition Suhrkamp, 2006, S. 132.

Auch wer sich nicht für Kunst interessiert, kennt die Mona Lisa und ihr geheimnisvolles Lächeln. Auf dem Foto ist ein Pariser Strassenhändler zu sehen. An diesem Tag im August 1911 hat er ausschliesslich Postkarten der Mona Lisa im Angebot. Denn kurz zuvor haben Kunsträuber das berühmte Gemälde in einer spektakulären Aktion aus dem Louvre entwendet. Doch die Postkarten, die der Händler verkauft, sind weit mehr als einfache Reproduktionen! Sie sollten die Geschichte dieses Gemäldes entscheidend prägen.

Agence Meurisse, Postkarten-Verkäufer in Paris, 1911. Silbergelatineabzug, 18 x 13 cm © als Sammlung by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved.

Unersetzlich wurde die Mona Lisa erst, als sie verschwunden war. Fotografien machten die Abwesenheit des Originals erfahrbar, indem sie die leere Wand im Louvre in den Zeitungen zeigten. Während die tausendfach verschickten Postkarten dem Gemälde zu Weltruhm verhalfen, stellte die Fotografie gleichzeitig die Frage nach der Notwendigkeit des Originals. Damit löste sie ein regelrechtes Erdbeben in der Kunstwelt aus!

Ist es wichtig, dass das Gemälde im Louvre hängt, wenn man die Mona Lisa als Postkarte besitzen kann? Der Louvre antwortete darauf, in dem das Gemälde nach seiner Rückkehr isoliert aufgehängt und damit seine einzigartige Bedeutung hervorgehoben wurde.

Fotografie und Kunst

Fotografie und Kunst

Sherrie Levine, L'Absinth, 1995. Zwölf Silbergelatineabzüge, jeder 25.3 x 20.3 cm, Kunstmuseum Basel © Sherrie Levine, Courtesy of the Artist and David Zwirner.

Seit ihrer Entdeckung kämpft die Fotografie um einen Platz unter den bildenden Künsten. Diese Auseinandersetzung ist so alt, wie das Medium selbst.

Die Fotografie polarisierte. Verfechter und Gegner lieferten sich erbitterte Debatten. Was kann die Fotografie? Schnell wurde anerkannt, dass sie zur Dokumentation geeignet ist. Doch die Meinungen zu ihrem Kunstwert gingen auseinander. Zu mechanisch, zu wenig schöpferisch erschien vielen Zeitgenossen die technische Entstehung eines Bildes.

Solch Daguerreotyp-Portrait giebt freilich jedes Härchen und jede Warze wieder, aber das materielle Licht erkennt eben nur den Leichnam; der geistige Lichtblick des Künstlers kann erst das Wunderbare im Menschen, die Seele befreien und sichtbar machen.

Joseph Frei­herr von Eichen­dorff, 1857 "Geschichte der poetischen Literatur Deutschlands", in: Joseph Freiherr von Eichendorff, Sämtliche Werke (hg. Wolfram Mauser), Bd. IX, Regensburg 1970, S. 477.

Die Befreiung der Malerei

Der Siegeszug der Fotografie, die wie kein anderes Medium in alle Lebensbereiche hinein wirken sollte, hatte keinesfalls ein Ende der Kunst zur Folge. Ganz im Gegenteil!

Man kann sich kein besseres Symbol des Fortschrittsglaubens vorstellen als den Eiffelturm. Mit der Errichtung des Eiffelturms für die Pariser Weltausstellung von 1889 feierte man die technischen Errungenschaften des 19. Jahrhunderts. Dazu gehörte auch die Fotografie.

Durch die illustrierten Zeitungen, und einen stetig wachsenden Markt für Fotografien wurde das Bild zum Massenmedium. Karl Marx zählte die Fotografie neben Eisenbahn, Dampfkraft, Telegrafie und Gasanstalten zu den Sinnbildern des Fortschritts.

Unbekannt, Bau des Eiffelturms, 1888. Albuminabzug, 18.1 x 12.9 cm © als Sammlung by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved.
Robert Delauney, La Tour Eiffel, 1910-1911. Öl auf Leinwand, 195.5 x 121 cm, Emanuel Hoffmann-Sitftung, Depositum in der Öffentlichen Kunstsammlung Basel © Emanuel Hoffmann-Stiftung / © Foto: Bisig & Bayer, Basel.

Robert Delaunay porträtierte den symbolträchtigen Bau insgesamt 30 Mal. Dieses Gemälde ist abstrakt und dennoch erkennt man die charakteristische Konstruktion. Die vom Kubismus inspirierte Malweise zerlegt den Turm und die Stadt in einzelne Facetten und zeigt mehrere Ansichten gleichzeitig. Der Fotografie wird gerne nachgesagt, eine Wegbereiterin der modernen Malerei gewesen zu sein. Denn es war jetzt nicht mehr Aufgabe der Kunst, Dinge naturgetreu abzubilden.

Als der Impressionismus dem Kubismus weicht, hat die Malerei sich eine weitere Domäne geschaffen, in die ihr die Photographie vorerst nicht folgen kann.

Walter Benjamin, 1925 Paris, die Hauptstadt des XIX. Jahrhunderts, in: Walter Benjamin, Gesammelte Schriften Band V.1, (hrsg. R. Tiedemann), Suhrkamp Verlag 1982, S. 49.

Reproduktion

Es gibt nur eine Mona Lisa. Aber es existieren zahllose Abzüge von diesem Gemälde.

Die Reproduktion von Gemälden gehört schon früh zum Angebot der Fotografen. Im 19. Jahrhundert entstehen Ateliers, die sich auf die Fotografie von Kunstwerken spezialisieren. So können die Museen dieser Welt günstig und bequem „bereist“ werden, ohne dass man das Haus verlassen muss.

All diese Mittel zusammengenommen tragen bis in die Hütte des Bauern die leicht erstellten Kopien einzigartiger Kunstwerke und handgestickter Stoffe, die früher nur der Reiche besaß.

Léon De Laborde, 1859 Léon De Laborde, "Die Revolution der Reproduktionsmittel", in: Wolfgang Kemp, Theorie der Fotografie I. 1839 – 1912, Schirmer/Mosel, 1980, S. 97.

Die Diskussion über das Verhältnis von Original und Kopie eines Kunstwerkes wird wichtiger, als Fotografie nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem veritablen Massenmedium avanciert. Aus der Spannung zwischen Original und Kopie gewinnt auch die Gegenwartskunst wichtige Impulse. Warum sind Authentizität und Originalität überhaupt so wichtig?

Sherrie Levine, L'Absinthe, 1995. Zwölf Silbergelatineabzüge, jeder 25.3 x 20.3 cm, Kunstmuseum Basel © Sherrie Levine, Courtesy of the Artist and David Zwirner.

Mit ihren provokanten Arbeiten hebt Sherrie Levine die Idee der Autorschaft aus den Angeln. Als eine der wichtigsten Vertreterinnen der "Appropriation Art" ist sie dafür bekannt, sich die Werke männlicher Fotografen und Maler anzueignen. Mit L’Absinthe setzt Levine sich mit grundlegenden Fragen im Verhältnis von Fotografie und Malerei auseinander: Die Wiederholung, die Rahmung und das Aufhängen im Museum verleihen der Kopie einer Kopie den Status eines eigenständigen Werks.

Farbe

Im Vergleich zur Kunst hatte die Fotografie im 19. Jahrhundert einen Nachteil: Die als mangelhaft empfundene Farbigkeit.

Sehr früh schon experimentierten Fotografen mit der Farbe durch spezielle Entwicklungsverfahren wie die Cyanotypie oder das nachträgliche Kolorieren von Motiven. Jeder Fotograf benutzte einen eigenen Entwickler, der den Abzügen eine spezielle Farbigkeit verlieh.

Fotografische Verfahren

Viele der historischen Fototechniken, die die Fotosammlung beherbergt, sind heute in Vergessenheit geraten. Die enorme Materialvielfalt erlaubt Rückschlüsse auf die dynamische Entwicklung des Mediums. Die Cyanotypie (auch Eisenblaudruck) gehört zu dem frühesten, günstigsten und einfachsten fotografischen Verfahren. Das durch eine Mischung eisenhaltiger Lösungen sensibilisierte Papier wird mithilfe von Sonnenlicht entwickelt. Ein Gegenstand oder Negativ kann direkt auf das Papier gelegt und abgebildet werden. Die typische blaue Färbung entsteht durch Oxidation beim Trocknen der Abzüge. Mit dem Aufkommen der ersten Handkameras zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam das Verfahren unter Amateuren wieder in Mode, weil so mehrere Abzüge eines Negativs ohne grossen Aufwand entwickelt werden konnten.

Mit dem Autochromverfahren war schon 1903 eine realistische Farbwiedergabe möglich. Dennoch hatte die Farbfotografie insbesondere bei Fotokünstlern einen schlechten Ruf. Bis in die 1970er Jahre hielten sie an einer Schwarz-Weiss-Ästhetik fest, um den Kunstcharakter der Aufnahmen zu unterstreichen. Farbe wurde mit Werbebildern und anderen Produkten der Populärkultur assoziiert.

There are four simple words which must be whispered: colour photography is vulgar.

Walker Evans Zitiert nach: Mary Warner Marine: Photography. A Cultural History, Laurence King Publishing, 2006, S.357.
Ed Ruscha, Product Still Life, 1961/2009. Silbergelatine, 33.3 x 26.5 cm, Kunstmuseum Basel © Ed Ruscha.

Mit seinen Product Still Lifes von 1961 nimmt Ed Ruscha Bezug auf die Werbefotografie

Ed Ruscha, Product Still Life, 1961/2009. Silbergelatine, 33.3 x 26.5 cm, Kunstmuseum Basel © Ed Ruscha.

Doch er zeigt die bunt gestalteten Verpackungen nicht in Farbe, sondern schwarz-weiss.

Ed Ruscha, Product Still Life, 1961/2003. Silbergelatine, 33.7 x 26 cm, Kunstmuseum Basel © Ed Ruscha.

Auffällig ist, dass Ruscha darauf verzichtet, die untere Bildkante abzuschneiden.

Ed Ruscha, Product Still Life, 1961/2009. Silbergelatine, 33.3 x 26.3 cm, Kunstmuseum Basel © Ed Ruscha.

In seinen fotografischen Product Still Lifes hält Ruscha an der Bildsprache und Ikonographie der Pop-Art fest.

Ed Ruscha, Product Still Life, 1961/2009. Silbergelatine, 33.3 x 26.3 cm, Kunstmuseum Basel © Ed Ruscha.

Er wählt aber einen anderen Ansatz als sein Künstlerkollege Andy Warhol, der Produkte wie Suppenbüchsen in knalligen Farben auf die Leinwand setzte.

Mit seinen Product Still Lifes von 1961 nimmt Ed Ruscha Bezug auf die Werbefotografie

Der in der Fotosammlung Ruth und Peter Herzog enthaltene Teilnachlass von Hans Hinz (1913-2008) enthält viele beliebte Werbemotive aus den 1950er und 1960er-Jahren. Ihre markanten Farben sind typisch für diese Zeit. Hinz war ein internationaler Pionier der Werbefotografie. Trotzdem ist sein Werk heute nur Wenigen bekannt. Das lag am schlechten Ruf der Farbfotografie und daran, dass er als Fotograf vor allem Auftragnehmer war, der Produkte ohne eigene Handschrift abliefern sollte.

  • Hans Hinz, Werbung für die Zigarettenmarke Senoussi, 1952-1964. Ektachrome, 23.7 x 17.7 cm © Hans Hinz / © als Sammlung by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved.
  • Hans Hinz, Abstrakte Farbstudie, um 1960. Ektachrome, 10 x 12.5 cm © Hans Hinz / © als Sammlung by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved.
  • Hans Hinz, Werbung für Kraft Käse, 1960-1976. Ektachrome, 9.9 x 12.5 cm © Hans Hinz / © als Sammlung by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved.
  • Hans Hinz, Werbung für die Zigarettenmarke Fox, 1952-1964. Ektachrome, 23.7 x 17.7 cm © Hans Hinz / © als Sammlung by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved.
  • Hans Hinz, Werbung für Knorr, um 1960. Ektachrome, 23.7 x 17.7 cm © Hans Hinz / © als Sammlung by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved.

Für die Arbeit von Hinz war Farbe essentiell. Durch seine Experimente wurde er international zu einer führenden Figur auf diesem Gebiet. Er war der einzige in der Schweiz, der in seinem Fotolabor die neuen Ektachrome-Filme entwickeln konnte, die Kodak 1948 auf den Markt brachte.

Die grosse Expertise qualifizierte Hinz für die Mitarbeit an George Batailles legendärem Buch über die Höhlen von Lascaux, die 1940 entdeckt wurden. Mit grossem Aufwand gelang es Hinz, jene Höhlenmalereien in Farbe wiederzugeben, die als früheste Meisterwerke des Menschen betrachtet werden. Als Lascaux oder die Geburt der Kunst 1955 erschien, war es eines der ersten Kunstbücher mit Farbfotografien.

Hans Hinz, Gesamtansicht des grossen Saales, auch Saal der Stiere genannt, 1953. in: Georges Bataille: Lascaux oder die Geburt der Kunst, Genf 1955, S. 45 © Hans Hinz.

Fotografie heute

Wie kein anderes Medium veränderte die Fotografie die Art und Weise, wie wir die Welt um uns herum sehen und begreifen. Hat sie in ihrer 180-jährigen Geschichte an Aktualität verloren?

Die Grenzen der Fotografie sind nicht abzusehen. Hier ist alles noch so neu, da? Selbst das Suchen noch zu schöpferischen Resultaten führt. Die Technik ist der selbstverständliche Wegbereiter dazu. Nicht der Schrift-, sondern der Fotografie-unkundige wird der Analphabet der Zukunft sein.

László Moholy-Nagy, 1927 László Moholy-Nagy, Diskussion über Ernst Kallai’s Artikel ‘Malerei und Fotografie, i10, Nr. 6 (1927), S. 233.

Kein anderes Bildmedium und keine andere Kunstform sind heute so präsent wie die Fotografie. Ob in der Kunst, in der Berichterstattung, der Werbung oder auf unseren Smartphones. Jeder von uns produziert mit seinem Handy Tausende von Fotos und teilt diese über Social Media mit der Welt.

Es gibt nicht die eine Fotografie. Es gibt private und öffentliche Fotografie, dokumentarische Fotografie, Pressefotografie, Werbefotografie und Fotokunst. Dieser Vielfalt wollten Ruth und Peter Herzog durch ihre Fotosammlung gerecht werden. Doch Bilder sammeln allein reicht nicht, man muss sie auch lesen können.

Angesichts der Bilderflut, die heute über uns schwappt, geht es darum, Bilder lesen zu können; das wollen wir hier vermitteln.

Peter Herzog, 2016 Oral History mit Peter Herzog, 2016 © Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel .

Peter Herzog in einem Interview 2014. Oral History mit Peter Herzog, 2014 © Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel.

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Ruth und Peter Herzog. rechts: © Julian Salinas / links: © Ricabeth Steiger.

Geheimtipp

Geheimtipp

Der französische Fotopionier Charles Nègre stellte diese Daguerrotypie vermutlich 1845 mit Hilfe eines "Hexenspiegels" her, einem elfteiligen Konvexspiegel, in welchem er als Selbstporträt erscheint. Dieses Werk ist in der Geschichte der Fotografie einmalig. Die Metapher des Spiegels, mit der die Fotografie seit ihrer Entdeckung in den 1830er Jahren umschrieben wurde, wird in diesem Objekt eindrucksvoll thematisiert.

Mit diesem fotografischen Experiment macht Nègre ein Statement: Die neue Technik fungiert nicht nur als Spiegelbild der Realität. Sie ist ein autonomes Ausdrucksmittel.

In der Ausstellung können Sie nicht nur dieses Unikat sehen, sondern selbst einen Blick in einen Hexenspiegel werfen.

Charles Nègre, Selbstporträt im Hexenspiegel, um 1845. Daguerreotypie, 11 x 9 cm © als Sammlung by Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel. All rights reserved.

Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel

Seit 2015 ist die Fotosammlung Bestandteil des Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinetts, Basel. Sie wird dort gelagert, aufgearbeitet und wissenschaftlich erfasst. Auf Initiative und in Verantwortlichkeit des Kabinetts ist seitdem ein Inventarisierungsprojekt mit dem Ziel umgesetzt worden, den Gesamtbestand der Sammlung zu katalogisieren, systematisch zu digitalisieren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Der Anspruch besteht darin, die Sammlung als Kulturgut integral zu erhalten und in ihrer Spezifik zu vermitteln. Das erste umfassende Projekt zur Aufarbeitung wurde mit der finanziellen Unterstützung zentraler Förderstiftungen, der Christoph Merian Stiftung, des Swisslos-Fonds Basel-Stadt, der Ernst Göhner Stiftung, des Swisslos-Fonds Basel-Landschaft, der Sophie und Karl Binding Stiftung, der UBS Kulturstiftung, sowie einer anonymen Spende ermöglicht.

Trotz intensiver Recherche konnte nicht in allen Fällen der fotografische Urheber und/oder Rechteinhaber zweifelsfrei ermittelt werden. Berechtigte Ansprüche werden im Rahmen der üblichen Vereinbarungen abgegolten.